Dieser Artikel wurde zuletzt am 3. Juli 2026 aktualisiert, um die öffentliche Konsultation der dänischen Wirtschaftsbehörde zur obligatorischen Nemhandel-Registrierung einzubeziehen, zusammen mit dem vorherigen Update bezüglich des Übergangs zu Peppol BIS 4.
In der Welt des digitalen Handels wird Dänemark oft als „Goldstandard“ bezeichnet. Während der Großteil Europas derzeit darum kämpft, die Fristen für die Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter (ViDA / VAT in the Digital Age) bis 2030 einzuhalten, betreibt Dänemark bereits seit 2005 ein obligatorisches elektronisches Rechnungsnetzwerk für den Bereich Business-to-Government (B2G).
Der Erste zu sein bedeutet jedoch oft auch, Altsysteme aufzubauen, die irgendwann komplett runderneuert werden müssen. Genau an diesem Punkt befindet sich Dänemark im Jahr 2026: im Übergang von einem einzigartigen nationalen Pionier zu einem voll integrierten Akteur im paneuropäischen Peppol-Netzwerk.
Um die Tragweite dieser Kehrtwende vollends zu verstehen, hilft ein Blick auf die Erfolgsgeschichte und die technische Architektur, die das System zwei Jahrzehnte lang getragen hat.
Rückblick: Die „OIOUBL“-Ära (2005–2025)
Dänemarks Reise begann mit NemHandel, einer nationalen Infrastruktur, die älter ist als die meisten internationalen Standards. Als technologische Basis dafür wurde OIOUBL (kurz für Offentlig Information Online UBL bzw. „Öffentliche Online-Information UBL“) geschaffen – ein dänischer „Dialekt“ der Universal Business Language.
Seit 20 Jahren funktioniert dies hervorragend und hat Dänemark zu einer der am stärksten digitalisierten Volkswirtschaften der Welt gemacht. Doch mit der Zunahme des grenzüberschreitenden Handels wurde die „dänische Variante“ zur technischen Hürde. Während Dänemark auf OIOUBL setzte, lizenzierten seine nordischen Nachbarn und die gesamte EU zunehmend den internationalen Peppol-Standard. Die Folge: Unternehmen, die sowohl in Kopenhagen als auch in Stockholm tätig waren, mussten zwei völlig unterschiedliche XML-Schemas und Übertragungsprotokolle verwalten.
Die Gegenwart: Das „weiche“ B2B-Mandat (2025-2026)
Einer der einzigartigsten Aspekte des dänischen Ansatzes ist das Buchhaltungsgesetz (Bookkeeping Act) von 2022, das nun phasenweise eingeführt wird: Phase 2 begann am 1. Januar 2025 für mittlere und große Unternehmen mit selbst entwickelten Systemen, während Phase 3 am 1. Januar 2026 für Unternehmen in Privatbesitz (Umsatz > 300.000 DKK) startete.
Im Gegensatz zu den harten B2B-Mandaten in Polen oder Belgien verlangt Dänemark lediglich digitale Buchhaltungssysteme (DBS), die strukturierte E-Rechnungen (OIOUBL/Peppol BIS) verarbeiten können, ohne dass jede Transaktion über eine staatliche Plattform laufen muss.
Indem Dänemark die Werkzeuge statt der Transaktionen vorschreibt, erreicht es eine zu 100 % digitalfähige Wirtschaft ohne die politischen Reibungen eines zentralisierten Clearance-Mandats.
Darüber hinaus schlägt die Strategie einen Wechsel vom derzeitigen „Opt-in“-System für das NemHandel-Register zu einem „Opt-out“-Modell vor. Diese Änderung, die erfolgreiche Systeme in den nordischen Nachbarländern widerspiegelt, wird die automatische Registrierung von Unternehmen vorantreiben und die Integration in den nationalen Rahmen für die elektronische Rechnungsstellung beschleunigen.
Darauf aufbauend leitete die dänische Wirtschaftsbehörde am 1. Juli 2026 eine öffentliche Konsultation zu Entwürfen von Änderungen der Verordnung für digitale Standard-Buchhaltungssysteme ein. Der Vorschlag sieht vor, dass Systemanbieter Geschäftskunden standardmäßig für den Empfang von E-Rechnungen über Nemhandel registrieren müssen, es sei denn, der Kunde widerspricht (Opt-out), und etabliert die E-Rechnung damit als bevorzugte Methode zur Rechnungsstellung. Da Rückmeldungen bis zum 17. August 2026 möglich sind, wird erwartet, dass diese Anforderungen am 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Der Kurswechsel: Von OIOUBL zu NemHandel BIS 4 (2026-2029)
Im Februar 2026 bestätigte die dänische Wirtschaftsbehörde die Absage des Projekts „OIOUBL 3.0“, was einen definitiven Schritt hin zu NemHandel BIS 4 signalisierte.
Was ist das? Eine lokalisierte Version des internationalen Peppol BIS 4-Standards, die auf der neuesten Peppol PINT-Methodik basiert.
Warum der Wechsel? Er besiegelt das Ende des „dänischen Dialekts“. Durch die Einführung eines auf Peppol basierenden Standards entscheidet sich Dänemark für internationale Interoperabilität statt für nationale Alleingänge. Damit wird die vollständige Konformität mit der aktualisierten europäischen Norm EN 16931 gewährleistet und das System proaktiv an den EU-ViDA-Vorgaben ausgerichtet.
Seit dieser Ankündigung im Februar hat die Behörde eine öffentliche Konsultation zu diesem Übergang durchgeführt. Während das Feedback eine breite Unterstützung der Beteiligten für eine internationale Harmonisierung bestätigte, wurden Bedenken hinsichtlich potenzieller Kosten, der Beibehaltung kritischer OIOUBL-Funktionen und des vorgeschlagenen Zeitplans geäußert. Um diese Punkte anzugehen, startet die Behörde das Projekt „One Common E-Invoice Specification“. Dieses Projekt zielt darauf ab, einen neuen Standard zu etablieren, der bis 2030 die nationalen Anforderungen mit den EU-ViDA-Standards in Einklang bringt.
Der Zeitplan für die Umsetzung:
2026 – 2027: Gemeinsame Vorbereitungsphase, beginnend mit dem Projekt „One Common E-Invoice Specification“ am 4. Juni 2026, um die technischen Spezifikationen für NemHandel BIS 4 final festzulegen.
2028: Veröffentlichung der NemHandel BIS 4-Kandidatenversion.
2028 – Mitte 2029: Eine Koexistenzphase, in der OIOUBL 2.1 und der neue Standard nebeneinander existieren.
Mitte 2029: OIOUBL 2.1 wird offiziell außer Dienst gestellt, und Dänemark wird offiziell zu einer „Peppol-First“-Nation.
„Wenn Sie Ihr ERP-System für das Buchhaltungsgesetz im Januar 2026 aktualisieren, stellen Sie sicher, dass Ihr Anbieter bereits Peppol-fähig ist. Der Übergang zu NemHandel BIS 4 im Jahr 2028 wird wesentlich reibungsloser verlaufen, wenn Ihr Fundament auf internationalen Standards statt auf lokalen Altsystemen basiert.“
Fazit: Eine Lektion zum Thema Weiterentwicklung
Dänemarks Wandel beweist, dass Interoperabilität in der digitalen Wirtschaft das A und O ist. Selbst die erfolgreichsten nationalen Systeme müssen letztendlich internationalen Standards wie Peppol weichen, damit Unternehmen nahtlos über Grenzen hinweg Handel treiben können.
Für Unternehmen in Dänemark ist die Botschaft klar: In den nächsten zwei Jahren geht es um Stabilität unter OIOUBL 2.1, aber Ihre langfristige Digitalstrategie sollte bereits auf den „Peppol-Horizont“ im Jahr 2028 ausgerichtet sein.
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Danielle Kiener
Leitender Key Account Manager, Banqup Group
Danielle hat 15 Jahre Erfahrung im Kundenbeziehungsmanagement im Bereich Rechnungsstellung und Finanzverwaltung. Derzeit arbeitet sie in Genf und unterstützt globale Kunden bei der Banqup Group, indem sie multinationalen Unternehmen hilft, ihre Prozesse zu digitalisieren. Im Laufe der Jahre war sie eng in die digitale Transformation der Rechnungsstellung involviert, einschließlich der Leitung von E-Invoicing-Initiativen in den Regionen EMEA und Asien-Pazifik für ein großes multinationales Unternehmen. Dank ihrer umfangreichen Erfahrung ist sie stets auf dem neuesten Stand der aktuellen E-Invoicing-Vorschriften und Änderungen weltweit.
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